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05.04.2022 – Einstimmung auf das 100-jährige Jubiläum von Annette Hausmanns

Seit 100 Jahren macht der Gesangverein Frohsinn Nieder-Mörlen seinem Namen alle Ehre. Geselligkeit, Gesang und Kontinuität haben Tradition, aber auch für neue Wege ist der Jubiläumschor offen. Zum runden Geburtstag wenden Vorsitzende und Dirigent den Blick zurück und nach vorn.

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Ehrenvorsitzender Robert Philipp (l.), Vorsitzende Gudrun Mahr und Sebastian Witzel, Dirigent und stellvertretender Vorsitzender, freuen sich auf die Jubiläumsfeierlichkeiten zum 100. Geburtstag des Gesangvereins Frohsinn Nieder-Mörlen. © Annette Hausmanns

Im Singsaal riecht es nach Farbe. Das neue Logo des Gesangvereins Frohsinn Nieder-Mörlen strahlt an der just geweißten Wand, die Ahnengalerie liegt zum Wiederaufhängen bereit, und unter den Vitrinen mit Vereinsfahnen und Pokalen wird in den Annalen des Chores geblättert. Für die Feier des 100. Geburtstages gibt es noch viel zu tun. Gut gestimmt gehen alle ans Werk. Diesen Eindruck gewinnt man im Gespräch mit dem Ehrenvorsitzenden Robert Philipp, seiner Nachfolgerin Gudrun Mahr und Dirigent Sebastian Witzel.

In Nieder-Mörlen sei musikalisch schon immer viel los gewesen, erzählt »Frohsinn-Urgestein« Philipp. Gerne erinnert er sich an so manche Anekdote, blättert in der Chronik und hebt hervor, wie wichtig die Schriftführer für einen Verein seien. Ohne Männer wie einst Karl Zimmer und Johannes Kissel oder heute Robert Winkler seien die Wurzeln eines Vereins verloren, der als Männerchor begann, nach 55 Jahren einen Frauenchor ins Leben rief, 1980 mit diesem zum gemischten Chor fusionierte und 1992 einen jungen Chor gründete: den mittlerweile vom Mutterverein abgenabelten »Intermezzo«-Chor.

Einst Naturalien für den Dirigenten
Bereits bei der Vereinsgründung am 5. Januar 1922 durch ein Dutzend ehemalige Kirchenchorsänger wurde Wert auf ordentliche Dokumentation gelegt. Im Protokoll erfährt man vom Gasthaus »Zum Frauenwald« als erstem Vereinslokal und von Anton König aus Ober-Mörlen als erstem Dirigenten. Im Quittungsbuch unterschrieb der Dirigent den Erhalt der Monatslöhne, die infolge der Inflation von 50 auf 1000 Mark und schließlich auf zehn Millionen Reichsmark kletterten, bevor der Dirigent in Naturalien entlohnt wurde: mit zweieinhalb Zentnern Frucht im Jahr.
»Später haben wir Quetsche-Hoink gekocht und an Kurgäste verkauft, die ins Café Witzel pilgerten, auch das war einmal unser Vereinslokal«, erinnert sich Philipp. Jeder Musik treibende Verein sei darauf angewiesen, Einnahmen zu generieren, um professionelle Leiter bezahlen zu können.

Legendär sind der erste Sängerwettstreit 1926 in Windecken mit Ehrenpokal und 1934 die Weihe der Fahne mit dem Motto »Des Lebens Sonnenschein ist Singen und Fröhlichsein«. Nach dem Krieg hieß der Verein jeden Spätheimkehrer mit einem Ständchen willkommen, und den 30. Geburtstag 1952 feierte der Frohsinn ganz groß. Wie alle Vereine damals spielte man Theater, pflegte Feiern und Ausflüge und beteiligte sich an Sängerwettstreiten.

In 100 Jahren nur neun Vorsitzende
Kontinuität beweist der Frohsinn mit nur neun Vorsitzenden in 100 Jahren. Heinrich Philipp führte den Verein drei Jahrzehnte bis 1978. Anschließend machte sich Robert Philipp 43 Jahre lang um den Verein verdient. Feste und Reisen gehörten ebenso dazu wie sein Antrieb beim Umbau des Singsaales 1980, den der Chor in Eigenregie bewältigte, nachdem der Saal in der Alten Schule frei geworden war. Als wichtigen Weggefährten beschreibt Philipp seinen langjährigen Stellvertreter Heinrich Kremer, der mit seinem Moped rund um die Uhr im Einsatz war.

Philipps Nachfolgerin wurde im Herbst Gudrun Mahr. 2017 war sie nach »Schnupperstunden« beim Chor geblieben. Witzel als Nachfolger für Chorleiter Helmut Haub zu gewinnen, bezeichnet Philipp als seine wohl beste Idee. Nach vier Vorgängern hatte Haub den Frohsinn 50 Jahre lang geleitet. An den »Stabwechsel« nach einem Männerchorprojekt im August 2018 erinnert sich der damals 25-jährige Witzel mit Rührung. Von seiner Musikbegeisterung, seiner professionellen Art und seinen neuen Ideen ließen sich alle im Chor anstecken, erzählen Philipp und Mahr. »Das Singen hat unseren Chor fit gehalten«, ist Witzel begeistert. »Man kommt hierher und fühlt sich wohl.« Sie seien kein Konzertchor, machten aber solide Musik aus Freude am Gesang, öffneten sich auch für Schlager, Pop und nicht deutsches Liedgut. Nahziel sei ein vielfältiges Repertoire fürs Jubiläumskonzert.

Dass sich die 30 Sängerinnen und Sänger bei relativ hohem Durchschnittsalter mit Freiluft-Proben, mit Proben in der Kirche und schließlich in wöchentlichen Chorproben via Zoom gut gestimmt und motiviert über die Corona-Zeit gerettet haben, rechnet der Dirigent ihnen hoch an. »Ich bin überwältigt vom Zuspruch«, schwärmt der verheiratete Vater eines Kleinkindes und träumt schon von einem Frohsinn-Kinderchor. »Der Chor hat einen zweiten Frühling bekommen«, bescheinigen ihm Mahr und Philipp.

Quelle: Wetterauer Zeitung - online vom 05.04.2022